Rendezvous de la Musique
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2011

Das Rendezvous de la Musique 2011 in Asslim auf dem Gelände der Familie Ait el Caid wurde zu einer weiteren Fortsetzung der friedlichen Auseinandersetzung unserer Kulturen.

Durch die gewaltigen Umwälzungen in der islamischen Kultur entschieden wir uns in diesem Jahr das Rendezvous nicht auf dem großen Platz vor der Moschee abzuhalten. Nach einem Geschpräch mit dem Bürgermeister und Polizeichef in Agdz erfuhren wir von einigen negativen Tendenzen in Marokko. Öffentliche Veranstaltungen wurden von unzufriedenen Jugendlichen als Betätigungsfeld für ihre Agressionen benutzt. Da auf einem öffentlichen Platz das Militär und die Polizei keine 100%ige Sicherheit geben kann war unser Entscheidung logisch. Der erste Abend fand wie immer im Arkadenhof der Kasbah statt. Am zweiten Tag entschieden wir uns für den Caravanplatz auf dem Gelände der Familie Aid el Caid. Dort hatten wir die Möglichkeit mit einer Gruppe Ordner für Sicherheit zu sorgen. Das Gelände ist von einer hohen Lehm- Mauer umgeben somit müßen alle durch den Haupteingang.

Nach dem Fest 2010 habe ich gedacht, dass man das letzjährige Ereigniss gar nicht mehr toppen kann. Doch sollte ich lernen, dass Höhepunkte immer wieder etwas Neues und Einzigartiges sind. Es war einfach nur anders als vorher. Auf ihre eigene Art und Weise. Mit weniger Akteuren und Aktivitäten. In der geschützten Atmosphäre der Kasbah. Kleiner, konzetrierter und überschaubarer. Und voller Inhalt.

Doch was geschah? Nach den Absagen von Papalagi und Natascha und James  sah es lange danach so aus das es ein rein marokkanisches Festival werden sollte. Denn wie findet man Ersatz auf die Schnelle?

Durch einen Kontakt in dem Intercollege in Larnaca auf Cypern, anläßlich einer Konferenz mit dem Namen 1te International Conference on Biodiversity, lernte ich über Maria Costi, eine Teilnehmerin des Lehmexpress aus dem Jahre 2010, Anna Grichting kennen. Es entstand ein mailingkontakt. Anna wollte unbedingt auf das Festival. Zwar hatte ich sie nur kurz gesprochen, doch Maria hat sie irgendwie dazu gebracht Feuer und Flamme zu schlagen. Ich war schon sehr überrascht, dass eine Doktorin der Architektur, Städteplanung und Design auch noch Musikerin ist. Doch es sollte sich als Glücksgriff erweisen.

Anna wollte mit ihrem frisch geheirateten Ehegatten Cheo Allen Jeffrey Solder, Jon Sass, er gilt als der beste Tubaspieler der Welt, ja ehrlich, jedenfalls, wenn man seinen Namen in die Suchmaschine eingibt, kommt es einem so vor und dem Fotographen Hakim Raquib aus Boston/ USA. Dieser hat auch eine nicht uninteresante Vergangenheit auf seinen Schultern. Als jedoch durch die Vereinsgründung und die erfolglosen Geld-Beschaffungs-Aktivitäten die Reisekosten dieser vier Künstlern auf dem Spiel standen, glaubte ich nicht mehr an ein Rendezvous. Ich hatte mich ja dazu entschlossen Blechbläser auf die Gnaua`s treffen zu lassen. Dies ist eine bewährte Mischung, die auf den großen Gnauafestivals in Essauira seit Jahren präsentiert wird.

Aus, der Traum, dachte ich und sendete Anna meine Absage wegen den hohen Reisekosten.

Doch es kam anders. Und sollte zu „dem“ Treffen schlechtweg werden, welches das Rendezvous in den letzten Jahren zu bieten hatte. Zwar kamen nicht vier Artisten, sondern zwei. Doch diese Mischung wurde brisant.

Hiermit muß ich nocheinmal auf den Namen des Festivals eingehen. Rendezvous de la Musique heißt „Begegnung der Musik“. Der Musik aus unterschiedlichen Genre`s. Auf der einen Seite die alte, ursprüngliche Musik, ohne Verstärker usw, zusammen mit Tastendrückern, Computerfreaks, Weltmusiker usw. Meine Hoffnung war immer, dass dies etwas Neues entstehen lässt. Und ich bin belohnt worden.

Anders als in den vorherigen Treffen gab es etwas ganz Neues.

Im ersten Jahr spielten zum Ende alle Musiker, jedenfalls mehr oder weniger, zusammen und versuchten sich unter einen Hut zu bringen. Auch entstand ein Lied aus gemeinschaftlichem und fröhlichem Miteinander. Dies wurde belebte durch das tägliche gemeinsame Musizieren, welches ausreichen gepflegt wurde. Es wurde auch immer wieder gesungen, die Kinder sangen es und auch auf dem nächsten Fest wurde es wiederholt. Sein Titel lautete Africa. Wie auch sonst. Denn wir befanden uns ja auch in diesem Kontinent.

Im nächsten Jahr kam etwas Neues auf. Jeder versuchte in einer anderen Gruppe mitzuspielen. Wie zum Beispiel Ali El`hamri, er spielte bei den Papalagis und in seiner Gruppe. Abdullah spielte bei Natascha und James mit einem Percussionisten. Die Papalagi unterstützten Natascha und James mit Soundeinlagen. Immer war irgendein Gastspieler dabei. Es entstand keine Session am Ende des Festes, wie wir es ja auch von den großen Festivals in Europa und Amerika kennen.

Doch was war in diesem Jahr anders?

Anna und Cheo waren alleine. Ohne Jon Sass war ihr Programm nicht mehr zu spielen. Sie kamen auf eine positive Idee. Wärend der Vorbereitungen habe ich die Gnauamusiker gebeten einen Tag früher zu kommen. Somit war ein Tag zu einem gemeinsamen Üben vor dem Festival gegeben. Und diese Zeit wurde auch genutzt. Lieder wurden eingeübt. Die Tänzer übten ihre Einlage und waren von Anna`s Gesang fasziniert. Oben auf der Dachterasse der Kasbah fand sich ein geschützter Raum unter offenem Himmel, natürlich mit dem traditionellen Pfefferminztee. Das Lachen hallte über das Gelände und die Freude auf das Fest wurde immer stärker spürbar.

Und immer hallten die Töne der Marimba, Querflöte und des Saxophons durch die Oase. Gepaart mit den Tönen Abdullah`s Gambri und das Klatschen der Hände. Und die Vögel der Oase bauten ihre Nester und sorgen für den Erhalt ihrer Spezie.

Das war neu und anders. Hier verschmolzen Kulturen, es wurde miteinander gelernt und im Vordergrund standen die Freude und der gegenseitige Respekt. Meister treffen Meister und werden zu Brüdern. Es entstand ein Werk dessen Text folgender war:

hum allah (om allah)
eey hum allah
eey hum allah
eeyee hum allah

prince of peace
wont you hear my plan
ring your bells of peace
net loving never cease

pharoah sanders                 
prince of peace
hear my melody
shine your light on me
let loving never cease


www.pharoahsanders.net

Doch hatte ich noch andere Überraschungen zu erleben. Kurz vor Beginn des LEHMEXPRESS, meldete sich Bettina Fabian aus Wien bei mir und wollte die zwei Wochen unermütliche Arbeit für ihre Lehmausbildung auf sich nehmen. Doch waren für sie die Kosten nicht zu stemmen. Und so entwickelte sich eine für mich wunderbare Freundschaft. Ich recherchierte im Internet und mußte feststellen, dass Bettina eine Feuershow beherrscht und anbietet. Ich sah eine neue Möglichkeit für das Rendezvous. Ich machte sie zu meiner Assistentin für das Lehmprojekt, und hatte somit eine kulturelle Bereicherung für das Festival.

Doch was geschah. Feuer in der Wüste. Dieses an sich furchterregende Element wurde durch Bettina in einer spielerischen und einnehmenden Show dem Betrachter präsentiert. Mit artistischer Leichtigkeit und unglaublicher Dynamik jonglierte sie Feuerkugel und auch der Ausfall der gesamten Musikanlage hinderte sie nicht daran Ruhe zu bewahren. Es wurde eine unbeschreibliche Show. Sie faszienierte alle Besucher. Feuer gesellte sich zur Erde. Die Elemente wurden vereint, so wie es sich gehört.

Melhoun Musiker trafen auf Ahwachkultur. Gnaua`s trafen auf Cheo und Anna. Kulturen sahen sich zu bei ihrer Darbietung. Frieden und Gemeinsamkeit wurden zelebriert. Ganz im Gegensatz zu den weltlichen Geschehnissen.

Mein Gefühl sagt mir das die Begegnungen für die Menschen sehr wichtig sind. Das familiäre Gefühl wird gestärkt, das Selbstbewußtsein zu sich und seinem Körper und Geist wird gefördert und die Seele fühlt sich zu Hause. Deshalb werden wir weitermachen. Mit einem gestärkten Selbstbewußtsein, Kraft und Stärke. Um Nester für die Zukunft zu bauen. So wie die Vögel in der Oase.

Fazit: Das Rendezvous del la Musique ist für die Region eine feste Größe geworden. Durch die Gründung eines neuen Vereins in Agdz bekommt das Rendezvous einen neuen starken Partner. Dieser Verein ist ein Dachverband für die regionalen Kleinvereine. Ziele sind Sportevents und Kulturveranstaltungen. Der Jahreshöhepunkt soll ein internationales Festival sein. Es ist eine große Chance für das Rendezvous de la Musique. Die Zeit wird es zeigen.

Krönender Abschluß am Sonntag war eine Hochzeit innerhalb der Familie Ait El Caid (siehe die letzten beiden Bilder).

Auf Wiedersehen
Manni Fahnert

Die Ansprache in vier Sprachen findet Ihr Hier


Die Bildergalerie des Rendezvous de la Musique 2011
findet ihr Hier


Eine Bildergalerie der Hochzeit in der Famillie Ait El Caid findet Ihr Hier

 

Rendezvous de la Musique 2011

Rendezvous de la Musique 2011

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Video der Gnawa-Gruppe.